Der Kniewinkel am unteren Totpunkt ist die einzige Größe der Sitzposition, für die es wissenschaftlichen Konsens gibt. Hier stehen die Zielwerte, wie man sie misst — und, ungewöhnlich offen, welche der übrigen Zahlen bloß Erfahrungswerte sind.
30 bis 40 Grad — gemessen am unteren Totpunkt der Kurbel, also wenn das Pedal ganz unten steht. 0° bedeutet dabei ein vollständig gestrecktes Bein; das Knie bleibt unten also deutlich gebeugt.
Die App markiert zusätzlich 33° als Zielwert mitten im Korridor. Das ist eine Setzung von uns, kein Studienergebnis — die Literatur nennt den Bereich, keinen Punktwert. Wir sagen das hier ausdrücklich, weil eine erfundene Nachkommastelle genau die Scheingenauigkeit wäre, die wir anderen vorwerfen.
Am unteren Totpunkt ist das Bein am weitesten gestreckt. Genau dort entscheidet sich, ob die Sattelhöhe passt: jeder Millimeter am Sattel schlägt hier direkt auf den Winkel durch.
Wichtig ist, dass im Treten gemessen wird, nicht im Stillstand. Ein Bein, das man im Sitzen ausstreckt, steht anders als eines, das gerade Kraft aufs Pedal bringt: das Becken kippt, der Fuß senkt sich, die Ferse wandert. Statisch gemessene Werte fallen deshalb regelmäßig anders aus als dynamische — sie sind nicht falsch, aber sie beschreiben eine Haltung, die beim Fahren so nicht vorkommt.
Und weil ein einzelner Moment nichts über die Bewegung aussagt, zählt der Median über viele Kurbelumdrehungen statt ein Standbild. Ein Ausreißer, weil man kurz rutscht oder die Ferse hängen lässt, verzerrt sonst das ganze Ergebnis.
Das sind exakt die Werte, mit denen RoadFitter arbeitet. Wir veröffentlichen sie inklusive Herkunft, weil die Herkunft der eigentliche Unterschied ist: nur beim Knie gibt es eine belastbare Studienlage. Alles andere ist Praktiker-Erfahrung — nützlich, aber kein Naturgesetz. Wer solche Zahlen ohne diese Unterscheidung präsentiert, verkauft Genauigkeit, die es nicht gibt.
| Winkel | Zielbereich | Zielwert* | Grundlage |
|---|---|---|---|
| Knie am unteren Totpunkt |
30–40° | 33° | Peer-reviewed. Ferrer-Roca et al. 2012 (dynamisch am UT); Übersichtsarbeit Husband et al. 2024: Sattelhöhe ist die einzige Positionsgröße mit wissenschaftlichem Konsens. |
| Rumpf zur Waagerechten |
40–50° | 45° | Praktiker-Konsens (BikeDynamics, Position auf den Bremsgriffen). Fintelman 2015 zeigt: ein tieferer Rumpf kostet Leistung und Sauerstoff. Dieselbe Arbeit hält aber fest, dass der aerodynamische Gewinn diesen Mehraufwand beim Zeitfahren meist überwiegt — es ist ein Tausch, kein Fehler. |
| Schulter | 80–95° | 88° | Praktiker-Konsens (~90° auf den Bremsgriffen). Vorläufig. |
| Ellbogen | 15–30° | 22° | Hier gehen drei Zahlen durcheinander, deshalb offen: Der klassische Lehrbuchwert ist 20–30° (Burt 2014). Holliday & Swart 2021 haben aber real 19° ± 8 gemessen — der Durchschnitt liegt also unterhalb des Lehrbuchs. Wir bewerten 15–30°, damit ein Fahrer mit ganz normalen 19° nicht als Fehler markiert wird. |
| Hüfte | 85–110° | 97° | Wird bewusst nicht bewertet. Die Messkonventionen widersprechen sich (oberer vs. unterer Totpunkt, Hüfte vs. Rumpf), und verschiedene Verfahren kommen zu schlecht vergleichbaren Ergebnissen. RoadFitter zeigt den Wert an, benotet ihn aber nicht. |
*Die Spalte „Zielwert" ist unsere eigene Markierung innerhalb des Korridors, kein Studienwert. Die Quellen nennen Bereiche; ein Punktwert hilft beim Feinjustieren, ist aber nicht belegt.
Eine Toleranz von 2,5° ist überall eingerechnet — eine 2D-Messung von der Seite ist genau genug für eine Richtungsentscheidung, aber niemand sollte um das letzte Grad feilschen.
Beim Knie: nein. Der Bereich von 30–40° gilt für jede sitzende Position, vom Zeitfahrrad bis zum Hollandrad — weil er von der Sattelhöhe bestimmt wird, und die Beine wissen nicht, welcher Rahmen darunter steckt. Das gilt ausdrücklich auch fürs Gravelbike: Der Kniewinkel-Zielbereich bleibt bei 30–40°, es ändert sich nur der Oberkörperwinkel — meist etwas aufrechter als am reinen Rennrad, für Kontrolle auf losem Untergrund und lange Distanzen.
Was sich sehr wohl verschiebt, ist alles darüber. Auf dem Zeitfahrrad ist ein flacher Rumpf das Ziel; auf dem Stadtrad wäre dieselbe Haltung ein Fehler. Deshalb wählt man in der App den Radtyp — Rennrad (komfortabel oder aero), Gravel, Zeitfahren und Triathlon, Spinning, Citybike, Tiefeinsteiger und Kinderrad — und die Zielbereiche für Rumpf, Schulter und Ellbogen wandern mit. Der Kniewinkel bleibt, wo er ist.
Für die Messung braucht es keinen Rollentrainer und keinen Termin. Rad anlehnen oder festhalten lassen, Kamera seitlich auf Hüfthöhe, ganzer Körper im Bild, gleichmäßig treten — rückwärts genügt, die Erkennung des unteren Totpunkts funktioniert in beide Richtungen.
RoadFitter erkennt dabei die Gelenke im Bild, misst den Winkel über die ganze Trittsequenz und rechnet die Abweichung direkt in Millimeter Sattelverstellung um. Alles läuft auf dem Gerät — kein Konto, kein Upload, keine Tracker. Für iPhone und iPad, gratis zum Ausprobieren, Pro einmalig 39,99 € ohne Abo.
Weiter: Sattelhöhe messen statt rechnen — warum die bekannten Formeln aus der Schrittlänge nur ein Startwert sind. Und falls der Anlass für die Messung Schmerz ist: Knieschmerzen beim Radfahren — was Studien über den Zusammenhang mit der Sattelhöhe zeigen.
Seitliches Kniewandern, die Cleat-Position, Beinlängendifferenzen, Beckenschiefstand: all das passiert quer zur Kamera und ist auf einem Seitenbild grundsätzlich nicht messbar. Eine App ersetzt darum keinen guten Bikefitter — sie erledigt den Teil, der sich objektiv messen lässt, und sagt beim Rest, dass sie es nicht weiß. Bei anhaltenden Schmerzen führt der Weg zu einer Fachperson, nicht zu einer App.